Die İstiklal-Straße verläuft 1,4 Kilometer lang über den Höhenrücken von Beyoğlu, vom Taksim-Platz an ihrem oberen Ende bis nach Tünel an ihrem unteren Ende, und ist auf ganzer Länge für Autos gesperrt. Der ganze Bezirk ist nach dem alten Viertel Beyoğlu benannt, das um diese Straße und die von ihr abzweigenden Gassen gewachsen ist. Unter den Osmanen hieß sie Cadde-i Kebir, die „große Straße“, oder in der Sprache ihrer vielen europäischen Bewohner Grande Rue de Péra; nach der Gründung der Republik wurde sie zur İstiklal Caddesi. Als ihre Mitte gilt Galatasaray, wo die Yeniçarşı Caddesi neben der Schule die Straße kreuzt und wo Şadi Çalıks Skulptur „50. Jahr“ von 1973 steht.
Die Straße begann als schmaler Pfad. Solange Galata noch eine ummauerte Kolonie war, bedeckten Weinberge, Friedhöfe und Wälder den Höhenrücken darüber, und vom Tor beim Galataturm führte eine Gasse zwischen vereinzelten Sommerhäusern nach Norden. Als die Kaufleute von Galata nach der Eroberung über die Mauern hinausdrängten und sich die Botschaften Frankreichs und dann anderer europäischer Staaten am Hang niederließen, wurde diese Gasse allmählich zur Hauptstraße von Pera. Ihre eigentliche Verwandlung kam in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts nach den Tanzimat-Reformen: Pflaster, Gasbeleuchtung, Kanalisation, dann Elektrizität, die Tünel-Bahn sowie Pferde- und elektrische Straßenbahnen, während sich modische Geschäfte, Cafés, Theater und Konditoreien den Weg entlang reihten. Ihre kosmopolitischsten Jahre waren das späte neunzehnte und frühe zwanzigste Jahrhundert, als hier viele Sprachen zu hören waren, und nach 1917 füllten Russen, die vor der Revolution geflohen waren, die Straße und ihre Seitengassen. 1990 wurden die Straße und die auf sie mündenden Gassen für den Kraftverkehr gesperrt, und die Straßenbahn kehrte als eingleisige, 1,65 Kilometer lange Linie zwischen Taksim und Tünel zurück.
Die Gebäude sind der Grund, sie langsam zu durchwandern. In Galatasaray öffnet sich das große gusseiserne Tor des Lyzeums zwischen Marmorsäulen mit altmodischen Straßenlaternen auf den Platz; die Schule nahm am 1. September 1868 als Mekteb-i Sultanî den Unterricht auf, auf Türkisch und Französisch. In der Nähe steht die Ağa Camii, die einzige Moschee an der Straße, 1594 von Hüseyin Ağa aus Galatasaray erbaut und 1834 in Werkstein erneuert, mit einem schönen Brunnen aus dem Oluklubayır Tekkesi in ihrem Garten. Die Çiçek Pasajı entstand als Cité de Pera mit 24 Läden und 18 Wohnungen an der Stelle des Naum-Theaters, das 1870 abbrannte; ihren heutigen Namen erhielt sie in den 1930er-Jahren, als eine Genossenschaft von Blumenzüchtern einzog und Blumenversteigerungen begannen, 1978 stürzte sie ein, und 1988 wurde sie instand gesetzt. Daneben werden in der Sahne Sokağı, der Straße, die die Bewohner von Pera Balık Pazarı nannten, frischer Fisch, Meze und Gemüse verkauft, mit Muschel- und Kokoreç-Verkäufern an ihrem Eingang und der Tür der Üç-Horan-Kirche gleich hinter dem Eingang der Çiçek Pasajı.
Weiter folgen die Konsulate und Kirchen des alten Botschaftsviertels. Das russische Konsulat nimmt ein großes Grundstück und ein Gebäude von Gaspare Fossati ein; bis zu dessen Fertigstellung war die Botschaft in dem heute Narmanlı Yurdu genannten Gebäude mit den schweren Pfeilern an der Straße untergebracht, in dem später Buchhändler, Antiquitätenhändler und Künstlerateliers saßen und in dem Ahmet Hamdi Tanpınar gern verkehrte. Der schwedische Palast stammt von 1869, das französische Konsulat in seiner heutigen steinernen Form von 1898; Letzteres wurde 1760 für Pestkranke bestimmt. St. Antoine, die italienische katholische Kirche von Giulio Mongeri, wurde am 15. Februar 1912 im neugotischen Stil vollendet und zieht zu den Weihnachtsgottesdiensten große Menschenmengen an. Santa Maria Draperis, erstmals 1584 erbaut und nach wiederholten Bränden neu errichtet, empfängt die Besucher mit einer Figur der Jungfrau Maria, die in einer von zwei Engeln gehaltenen Perlmuschel steht. Das Botter-Gebäude von Raimondo d’Aronco aus dem Jahr 1900, errichtet für J. Botter, den niederländischen Schneider Abdülhamids II., gilt als das bedeutendste Jugendstilgebäude in İstanbul, und nahe dem Taksim-Ende gab die Yeşilçam Sokağı dem türkischen Kino seinen Beinamen, weil vor 1980 die meisten Filmgesellschaften dort ihre Büros hatten.
Anfahrt
Die Straße beginnt am Taksim-Platz, einer Station der Metrolinie M2, und die historische Straßenbahn verbindet Taksim mit Tünel am anderen Ende. Von Tünel führen die Straßen Galip Dede und Yüksek Kaldırım bergab nach Karaköy.
Wann hinfahren
- Klima
- In der Provinz İstanbul insgesamt reichen die monatlichen Mitteltemperaturen von 6,8 °C im Januar bis 24,7 °C im August; im Mai, Juni, Juli, August, September und Oktober liegt das Mittel zwischen 15 und 25 °C; am meisten Niederschlag fällt im Dezember (99 mm), am wenigsten im Juli (22 mm). Langjährige Mittel 1950-2025 des türkischen Wetterdienstes (MGM).







